Datum: 4. August 2026
Alarmzeit: 19:05 Uhr
Alarmierungsart: Funkmeldeempfänger
Art: Technische Hilfeleistung
Einsatzort: Bad Wörishofen
Stärke: 17
Fahrzeuge: 10/1, 41/1, 49/1, 61/1
Weitere Kräfte: ELRD, FF Ettringen, FF Kaufbeuren-Neugablonz, FF Kaufbeuren-Oberbeuren, FF Mindelheim, NEF, RTW, THW Kaufbeuren, THW Memmingen
Einsatzbericht:
Am Dienstagabend um 19:05 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Bad Wörishofen zu einem Gefahrstoffeinsatz in die Mindelheimer Straße alarmiert. Im Keller eines Wohnhauses waren beim versehentlichen Vermischen zweier Poolchemikalien, flüssigem Chlor und flüssigem pH-Minus, gefährliche Reaktionsprodukte entstanden.
Die beiden Bewohner bemerkten die heftige chemische Reaktion, verließen umgehend das Gebäude und brachten sich in Sicherheit. Anschließend verständigten sie richtigerweise über den Notruf die integrierte Leitstelle.
Durch die Vermischung des chlorhaltigen Mittels mit der säurehaltigen Poolchemikalie kam es zu einer chemischen Reaktion mit Freisetzung von Chlorgas. Chlorgas ist ein giftiges Reizgas, das bereits in geringen Konzentrationen Augen und Atemwege stark reizen kann.
Ein Atemschutztrupp der Feuerwehr Bad Wörishofen ging unter umluftunabhängigem Atemschutz in den Keller vor. Dort wurden zunächst die beiden noch geöffneten Chemikalienkanister verschlossen, um eine weitere Freisetzung zu verhindern. Anschließend öffneten die Einsatzkräfte sämtliche Kellerfenster, um eine natürliche Belüftung einzuleiten. Im weiteren Verlauf kam ein Drucklüfter zum Einsatz, um den Keller kontrolliert mit Frischluft zu belüften und die Gefahrstoffkonzentration weiter zu reduzieren.
Zur Unterstützung waren zahlreiche weitere Kräfte im Einsatz. Neben der Feuerwehr Bad Wörishofen waren dies die Feuerwehr Mindelheim mit dem Dekontaminationsfahrzeug, die Feuerwehren Kaufbeuren und Oberbeuren mit dem Gefahrgutzug bzw. dem Gerätewagen Gefahrgut, sowie die Feuerwehr Ettringen mit der CBRN-Messkomponente. Ebenfalls vor Ort war der Fachberater des Technischen Hilfswerks.
Nach dem Eintreffen der Feuerwehr Ettringen führten Einsatzkräfte gemeinsam mit einem Atemschutztrupp der Feuerwehr Bad Wörishofen umfangreiche Kontrollmessungen im Kellerbereich durch. Diese bestätigten den Erfolg der Belüftungsmaßnahmen. Es konnten keine relevanten Chlorgaskonzentrationen mehr festgestellt werden. Die betroffenen Chemikalienkanister wurden anschließend durch den Atemschutztrupp ins Freie verbracht und dort gesichert, sodass auch von ihnen keine weitere Gefahr im Gebäude ausging.
Der primär betroffene Bewohner wurde durch den Rettungsdienst medizinisch versorgt und zur weiteren Abklärung in ein Krankenhaus transportiert. Der Rettungsdienst war mit einem Notarzt, einem Rettungswagen sowie dem Abschnittsleiter Rettungsdienst vor Ort.
Als Bereitstellungsraum für alle nachrückenden Einsatzkräfte diente der Parkplatz am Kurpark. Nach rund eineinhalb Stunden konnte der Einsatz für die Feuerwehr Bad Wörishofen, sowie alle anderen beteiligten Hilfsorganisationen beendet werden. Die Polizeiinspektion Bad Wörishofen hat die Ermittlungen zum konkreten Unglücksablauf aufgenommen.