Ein Leben für die Feuerwehr

Peter Eichler war 24 Jahre lang Kommandant der Feuerwehr Bad Wörishofen, wie schon sein Vater. Wie er gelernt hat, mit Leid und Tod umzugehen – und welche Herausforderungen auf die Feuerwehr zukommen.

Als Peter Eichler in Bad Wörishofens Feuerwehr eintrat, war sein Vater der Kommandant. 24 Jahre lang war es nun Peter Eichler selbst, bis zur Altersgrenze. Eine Zeit, in der er Bad Wörishofens Feuerwehr geprägt hat – die ihn aber auch selbst geprägt hat. Über den Weg in Zukunft des Brandschutzes und den Umgang mit Leid und Tod.

Am 6. Januar 1977 trat Peter Eichler in Bad Wörishofens Feuerwehr ein. Damals gab es noch keine Jugendfeuerwehr und von Digitalisierung konnte noch nicht die Rede sein. Dafür war das Einsatzaufkommen auch damals schon hoch. In seiner Zeit als Kommandant änderte sich daran nichts. Zwischen 1998 und 2021 hat Eichler pro Jahr etwa 188 Einsätze geleitet, insgesamt waren es 4189. Dabei haben sich die Art der Einsätze im Laufe der Jahre gewandelt. Die Anzahl der Alarmierungen durch Brandmeldeanlagen hat beispielsweise zugenommen. Gleiches gilt für Wohnungsöffnungen und Personenrettungen mit der Drehleiter. Das stellte die Feuerwehr auch vor eher ungewöhnliche Herausforderungen. „Da die Anzahl der schwergewichtigen Patienten immer mehr zunimmt, wurde extra eine Schwerlasttrage angeschafft“, berichtet Eichler im Rückblick auf seine nunmehr 45 Jahre im aktiven Dienst – der übrigens weitergeht. Nur als Kommandant musste Eichler altersbedingt ausscheiden.

Abgenommen haben in den vergangenen Jahren dafür die Unfälle mit eingeklemmten Personen. Eichler führt dies auf die verbesserten Fahrgastzellen der Fahrzeuge zurück. Auch wenn bei einem Verkehrsunfall zunächst die Routine im Vordergrund stehe, hinterließen schwere Unfälle immer Spuren bei einem selbst, sagt Eichler; vor allem dann, wenn Kinder beteiligt seien. Besonders in Erinnerung ist Eichler ein Geisterfahrerunfall im Jahr 2019 auf der A96, wo eine Familie aus der Schweiz auf dem Weg in den Urlaub verunglückte. Vater und Mutter der Kinder starben. Auch der Fahrradunfall auf Bad Wörishofens Rössle-Kreuzung sei für alle Helfenden sehr belastend gewesen, sagt Eichler. Zwei Jugendliche waren damals in einen Unfall mit einem Lastwagen verwickelt.

„Bei solchen Einsätzen hilft oft schon die Nachbesprechung im Feuerwehrhaus; unabhängig davon besteht immer die Möglichkeit, die psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte“, erläutert Eichler die Vorgehensweise. Auf die Nachbesprechungen hat Eichler immer sehr viel Wert gelegt. Nicht nur, um schlimme Ereignisse aufzuarbeiten, sondern vor allem auch um die Einsätze für die Zukunft noch besser zu machen. „Es wurde immer genau analysiert, was besonders gut geklappt hat und wo man noch optimieren kann.“ Auch die Brandserien an Neubrand’s Stüble im Stadtzentrum oder in der Gartenstadt, aber auch die Brände in den beiden großen Parkhäusern der Stadt sind Ereignisse, die Eichler im Gedächtnis blieben.

In bleibender Erinnerung ist ihm auch die Überschwemmung im Neubaugebiet Alpenblick in der Gartenstadt im Jahr 2006. „Das traf uns alle völlig unvorbereitet“, sagt Eichler. „Mit einem Schadensereignis in diesem Umfang an dieser Stelle hat niemand gerechnet. Wir mussten hilflos zuschauen, wie die Keller vollliefen.“

Um dem unwahrscheinlichen Fall einer neuerlichen Überschwemmung vorzubeugen, wurden in kürzester Zeit unter anderem Schmutzwasserpumpen und Sandsackfüllmaschinen angeschafft. Die Stadt schüttete außerdem einen Erdwall im Süden des Baugebietes auf. „Wir sind der Stadt sehr dankbar, dass damals so schnell reagiert wurde“, sagt Eichler. Denn was niemand für möglich gehalten hatte, trat ein – einen knappen Monat später hieß es wieder „Land unter“ am Alpenblick. „Allerdings ist diesmal kein einziger Keller vollgelaufen“, berichtet Eichler. Doch auch an Schadensereignisse vor seiner Zeit als Kommandant kann sich Eichler noch gut erinnern. „Der Bahnunfall 1977, als ein Tanklastzug mit dem Zug kollidierte, der Brand im Kurhotel Luitpold 1979 und natürlich das Pfingsthochwasser 1999“, nennt Eichler als prägende Ereignisse.

In die Amtszeit von Eichler als Kommandant fielen der Umbau des Feuerwehrhauses, die Neugestaltung der Küche und des Aufenthaltsraumes. Alles finanziert aus Vereinsmitteln, wie Eichler stolz bemerkt.

Als Kommandant ist er automatisch Mitglied im Verwaltungsrat des Feuerwehrvereins, und damit auch bei der Organisation der verschiedenen Feste, der Fahrzeugweihen, dem Tag der offenen Tür und vielen anderen administrativen Arbeiten involviert.

Völlig neu umgebaut wurde 2017 auch die Einsatzzentrale der Feuerwehr. Zugleich hat die Wehr den Digitalfunk eingeführt. Dass dieses weitreichende Engagement nicht ohne Unterstützung der Familie, vor allem Eichlers Ehefrau funktioniert, ist völlig klar. Aber die Feuerwehr gehört auch irgendwie mit zur Familie. Sowohl Eichlers Sohn Matthias als auch seine Tochter Lisa sind mittlerweile in der Feuerwehr engagiert. „Man muss sich vorstellen, dass im Falle einer Alarmierung meine Frau dann plötzlich allein zu Hause saß – mitten unter dem Essen oder am Wochenende oder bei einer Familienfeier“, schildert Eichler die Konsequenz.

Für die Zukunft würde sich Eichler wünschen, dass wieder mehr Aktive den Weg in die Feuerwehr finden. „Es wird zunehmend schwerer, Jugendliche aber auch Erwachsene für den Dienst in der Feuerwehr zu begeistern“, berichtet er. Viele Jugendliche aus der Jugendfeuerwehr, deren Gründung im Jahr 2000 auch unter Eichler erfolgte, zögen wegen ihrer Ausbildung oder dem Studium fort. Nur sehr selten kämen sie wieder an die alte Wirkungsstätte zurück. „Es gibt auch leider immer wieder Fälle, dass die Leute zwar gerne wieder kommen würden, aber hier keinen Bauplatz finden und sich deshalb anderswo niederlassen“, schildert Eichler ein anderes Problem.

Auf den Weg gebracht wurde noch vor Eichlers Amtsende das neue Feuerwehrhaus für Bad Wörishofen. Eine Machbarkeitsstudie belegt, dass das alte Gebäude gegenüber des Klosters nicht mehr erweitert werden kann. So fasste der Stadtrat bereits einen Grundsatzbeschluss, der den Neubau eines Feuerwehrhauses vorsieht. „Ideal wäre ein Grundstück entlang der Umgehungsstraße,“ sagt Eichler, der mit einer Investition von etwa sieben bis acht Millionen rechnet – ein Projekt, das seinen Nachfolger beschäftigen wird.

Text: Mindelheimer Zeitung

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