In modernen Autos lauern neue Gefahren

17.11.2018: In Bad Wörishofen erfahren Feuerwehrleute aus dem ganzen Landkreis, wo die Probleme liegen
In modernen Autos lauern neue Gefahren

Es ist erst ein paar Tage her: Am 8. November ging bei Ettringen ein Auto mit Hybridantrieb in Flammen auf. Der Fahrer konnte sich gerade noch retten. Weil auch die Batterien des alternativen Antriebs Feuer fingen, dauerten die Löscharbeiten besonders lang. Neue Antriebstechniken und auch die zunehmende Komplexität der Fahrzeuge stellen die Feuerwehren vor neue Herausforderungen. Um mit der technischen Entwicklung im Automobilbau Schritt halten zu können, befassten sich die Wehren im Unterallgäu nun bei einer Fachtagung im Kursaal von Bad Wörishofen mit so hochaktuellen Themen wie „Unfallforschung“ und „alternative Fahrzeugantriebe“. Die Freiwillige Feuerwehr der Kneippstadt, wie auch der Kreisfeuerwehrverband als Veranstalter hatten für diese Veranstaltung namhafte Referenten aufgeboten.

In den letzten zwei Jahrzehnten, so berichtete Volker Sandner vom ADAC-Technik-Zentrum Landsberg, habe sich die Sicherheit für Pkw-Insassen enorm verbessert.

Dies führte der Referent unter anderem auf die Vorgaben von Verbraucherschutz, wie auch auf erkenntnisreiche Tests des ADAC, stabile Fahrgastzellen oder Airbags zurück. Dank weicher konstruierter Frontpartien und Motorhauben seien auch Radfahrer und Fußgänger bei einem Aufprall wesentlich besser geschützt.

Dennoch, so Sandner, schlummere in der Auslegung von Rückhaltesystemen, wie Gurt und Airbag, noch viel Verbesserungspotenzial. Neben der aktiven und passiven werde auch die tertiäre Sicherheit, die Rettung nach einem Unfall immer wichtiger. Hochfeste Stähle, neuartige Verbundstoffe und Materialien, wie auch Hybrid-und Elektroantriebe bereiten den Rettern Probleme. Ganz zu schweigen von Gastanks mit 200 Bar Druck oder Hochspannungen mit mehr als 400 Volt. Auch beim Durchtrennen von Fahrzeugteilen, etwa den A-, B-oder C-Säulen, stoßen mit älteren Spreizern und Rettungsscheren ausgerüstete Feuerwehrler an ihre Grenzen, wurde deutlich. „Die Wehren müssen sich daher auf Autos einstellen, die mit äußerst stabilen Materialien gebaut sind“, machte der ADAC-Mann deutlich. Und was er ihnen hier ins Stammbuch schrieb: „Gute Ausbildung und Materialwissen bei der Rettung von Verletzten zahlt sich aus“. Auch das Studieren der Rettungsdatenblätter der Automobilbauer am Unfallort sei oft eine große Hilfe. Und was sich noch als Fortschritt erwiesen hat: Dank des seit 2018 verbindlichen e-Call Systems in modernen Fahrzeugen können diese bei einer Karambolage zumindest die Position des Unfallortes blitzschnell der Rettungsleitstelle melden. Der ADAC, versicherte Volker Sandner, werde auch künftig alle Hebel in Bewegung setzen, um Autofahrer und Insassen bestmöglich zu schützen und sich nach Kräften bemühen, auch den Rettungsdiensten und Feuerwehren bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit hilfreich unter die Arme zu greifen.

Im weiteren Verlauf der Fachtagung schilderte Wolfram Höfler eindrucksvoll den Ablauf der Rettungsmaßnahmen beim Zugunglück in Bad Aibling im Jahre 2016. Damals starben nach einer Kollision zweier Züge nach offiziellen Angaben zwölf Menschen, 89 wurden verletzt. Erst vor wenigen Tagen hat die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchungen ihren endgültigen Bericht vorgelegt.

Man merkte dem Einsatzleiter der Feuerwehr an, dass ihm die dramatischen Ereignisse noch in den Knochen stecken. Höfler berichtete in Bad Wörishofen von schwerer physischer wie auch psychischer Belastung der Einsatzkräfte. Musste doch schweres Rettungsgerät und sonstiges Equipment von den Helfern über mehrere Kilometer zu dem teils unzugänglichen Einsatzort transportiert werden. Allein die Befreiung eines eingeklemmten 17-jährigen Schülers nahm drei Stunden in Anspruch, schilderte der Einsatzleiter den Feuerwehrleuten im Kursaal.

Einsatzleiter Höfler griff auch die Frage auf: „Wer hilft den Helfern“, damit diese mit belastenden Bildern und Geschehnissen und Bildern besser umgehen können“.

Er appellierte: „Professionelle Hilfe tut zwingend not“ betonte er und informierte, dass psychosoziale Notfallversorgung für Rettungskräfte mittlerweile gang und gäbe und aus der Helferkette nicht mehr wegzudenken sei. „Kein Helfer darf mit belastenden Eindrücken nach Einsätzen allein gelassen werden“, forderte er.

Der erfahrene Feuerwehrmann gab seinen Kollegen wertvolle Tipps, wie man Einsätze in der Größenordnung von Bad Aibling professionell abwickeln kann.

Bad Wörishofens Bürgermeister Paul Gruschka lobte in seinem Grußwort an die Feuerwehren die gute Zusammenarbeit der Bad Wörishofer Wehr mit dem Kreisfeuerwehrverband. „Je komplexer die Autos konstruiert sind, desto um-fangreicher werden die Aufgaben der Rettungsdienste“, pflichtete er den Referenten bei.

Text: Mindelheimer Zeitung



Fachvortrag im Kurhaus Bad Wörishofen Fachvortrag im Kurhaus Bad Wörishofen Fachvortrag im Kurhaus Bad Wörishofen Fachvortrag im Kurhaus Bad Wörishofen
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